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Leistungsnachweis Fellinghausen

07.07.2017

"Ich hatte so Angst, etwas falsch zu machen, als mir so viele Brandmeister über die Schulter schauten", resümiert Lea Thomas ihre erste Teilnahme am Leistungsnachweis der Feuerwehren des Kreises Siegen-Wittgenstein in ihrem Heimatort Fellinghausen. Die 16-jährige Gymnasiastin war eine der sechs Fellinghäuserinnen, die am Wochenende als einzige reine Frauenstaffel aus einer Feuerwehreinheit an den Start ging - die allererste dieser Art als Sechser-Formation, so mutmaßten sie selbst. Und sie schlugen sich tapfer - doppelt tapfer angesichts der Tatsache, dass ihre Einheit zugleich Ausrichterin der Großveranstaltung mit 658 Teilnehmenden war und auch die Damen nach ihrer Wettkampfteilnahme schnell aus der Einsatzuniform in die Kleidung der Gastgeber schlüpften, um die Kameradinnen und Kameraden aus allen Kommunen des Kreises nach erledigten Strapazen zu bedienen. Die Helferinnen und Helfer der Löschgruppe Fellinghausen erhielten wertvolle Unterstützung von 20 Kyffhäuser-Schützen und Handballern aus dem Ort, um dem Massenandrang an Einsatzkräften am Freitag und Samstag Herr zu werden.

Logistisch reibungsloser Ablauf

Logistisch klappte alles wie am Schnürchen: Nach Anmeldung und schriftlicher Fragenbeantwortung im Ausbildungszentrum Bau fuhren die Staffeln und Gruppen, die am Leistungsnachweis teilnahmen, die Landstraße an, um dort eine Einsatzübung zu absolvieren - die meisten einen Löschangriff. Nur acht Mannschaften entschieden sich für eine Übung in technischer Hilfeleistung, bei der es galt, eine Person aus einem Schacht oder unter einem Container zu retten. Der zweitägige Feuerwehrtourismus führte dann durch die Kreuztaler Stadtmitte, wo die Feuerwehreinheiten im Stadion Stählerwiese ihren Staffellauf in Einsatzkleidung und mit Utensilien wie Strahlrohr oder Schaumkanister ausgerüstet absolvierten. In der Grundschule Fellinghausen zeigten die Teilnehmer, wie sie Knoten und Stiche beherrschen und sich in den Grundlagen der Ersten Hilfe auskennen. Endstation war das Gerätehaus Fellinghausen, dessen Vorplatz sich im Laufe der Veranstaltung in eine Partymeile verwandelte. Gewolltermaßen, denn das kameradschaftliche Miteinander sei, so Kreisbrandmeister Bernd Schneider, ein essenzieller Teil des Leistungsnachweises, der in diesem Jahr im Kreis Siegen-Wittgenstein zum 41. Mal stattfand.

"Heute ist eben eine andere Zeit"

An Spitzen-Teilnehmerzahlen von 1.250 Personen reiche die Veranstaltung mittlerweile zwar nicht mehr heran, "aber heute ist eben auch eine andere Zeit", liefert der erste Feuerwehrmann im Kreis auch gleich die Begründung: "Heute können sich die jungen Menschen freitagsabends aussuchen, wo sie hingehen - früher hatten wir nicht so viele Alternativen." Sicher habe sich bei dem einen oder anderen der bierernste Wettkampfgeist des Leistungsnachweises früherer Jahrzehnte etwas relativiert. Ganz anders bei der erwähnten Fellinghäuser Frauenstaffel, die ihre Einsatzübung übrigens fehlerfrei absolvierte und darüber mächtig stolz war. Sie war das beste Beispiel, wie sich der Leistungsnachweis über Jahrzehnte eben auch menschlich verändert hat, nämlich durch eine beachtlich gestiegene Frauenquote. "Mittlerweile bestehen unsere Jugendfeuerwehren zu 50 Prozent aus weiblichen Mitgliedern", erklärt der Kreisbrandmeister. Und deren Nachrücken in die Reihen der Aktiven mache sich eben jetzt auch erfreulich bemerkbar. Wie der gestiegene Frauenanteil die Arbeit in den Feuerwehren verändert, ist zwar nicht an harten Fakten messbar, aber dennoch beobachtbar. Bernd Schneider: "Frauen verändern durchaus die Chemie in einer Mannschaft, die früher eine reine Männerdomäne war. Und auch die Arbeit im Einsatz, weil Frauen in bestimmten Situationen ganz anders ticken als Männer - vor allem im Umgang mit den Menschen, denen wir helfen wollen", glaubt er; "das ist eine Entwicklung, die gut ist."

Veteranen seit 41 Jahren dabei

Zufrieden mit dem Verlauf des 41. Leistungsnachweises, für deren inhaltliche Abnahme weitere rund 50 Führungskräfte der Feuerwehren des Kreises als Wertungsrichter verantwortlich zeichneten, zeigte sich am Samstagnachmittag der Chefkoordinator Ralf Schneider. Er zeichnete in Fellinghausen zwei wahre "Veteranen" des Leistungsnachweises aus: Klaus-Peter Schneider aus Schameder und Ulrich Bald aus Richstein für ihre durchgängige Teilnahme seit nun 41 Jahren. Und auch, wenn der Leistungsvergleich in Punkten und Zeiten in hiesigen Feuerwehrkreisen nicht oberste Priorität hat, freuten sich die Besten und Schnellsten der 97 angetretenen Mannschaften dann doch über null Fehlerpunkte und beachtliche Schnelligkeit bei ihren Disziplinen: Erste wurden die Rudersdorfer Wehrleute mit einer Gesamtzeit von 3:23 Minuten, gefolgt von den Schameder Kollegen (3:43) und den Einsatzkräften aus Oberholzklau-Bühl mit einer Gesamtzeit von 4:09 Minuten. Der nächste Leistungsnachweis findet am 31. August und 1. September 2018 in Wilnsdorf statt. bjö

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