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Dank Kathi Heide: Kreuztaler Einsatzkleidung in Tansania im Einsatz

22.11.2017

Wenn es im tansanischen Kayanga oder in der Umgebung brennt, können die Feuerwehrleute der „Karagwe Fire and Rescue Force“ fortan dem Brand so nahe kommen wie nie zuvor: Seit wenigen Tagen besitzen sie Feuerschutzkleidung aus dem einstigen Bestand der Kreuztaler Stadtfeuerwehr. Mutter Carmen Heide und Oma Margret Müller der Buschhüttenerin Katharina Heide, die seit einem halben Jahr in Tansania als Entwicklungshelferin arbeitet, um Trinkwasserprojekte sowie die Infrastruktur der örtlichen Feuerwehr mit aufzubauen, hatten zwei Reisetaschen voller Feuerwehrkleidung im Gepäck, als sie zu einem zweiwöchigen Besuch nach Afrika aufbrachen. Darin befanden sich hitzebeständige Nomex-Jacken für den Brandeinsatz sowie diverse Hemden und Hosen. Außerdem hatten die beiden ausrangierte, aber noch brauchbare Feuerwehrgürtel dabei. Zwar war der Weg der Kleidung zu den neuen Nutzern mehrere tausend Kilometer lang, ein kurzer Weg aber der, die Kreuztaler Feuerwehr vom Sinn der Spende zu überzeugen: Katharina Heide ist selbst Mitglied in der Löschgruppe Buschhütten, ihr Vater Uwe gar stellvertretender Chef der Kreuztaler Stadtfeuerwehr.
 
Dankbarkeit und Wertschätzung
 
Als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung der Unterstützung aus Deutschland bereiteten die Tansanier den Spendern einen unvergesslichen Empfang, "der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird", beschreibt Katharina Heide das Ereignis in ihrem Blog, in dem sie regelmäßig und ausführlich über ihr Leben und ihre Arbeit in Afrika Bericht erstattet. "Alle waren schon mächtig begeistert, als sie erfuhren, wie schwer nur eine Nomex-Jacke ist", schreibt Kathi darin. "Sogar der Bürgermeister sprang direkt auf, um sich einmal komplett mit den neuen Sachen ausrüsten zu lassen. Wir waren überwältigt von der Begeisterung und Dankbarkeit, die uns von allen entgegengebracht wurde." Die Dankbarkeit drückte sich besonders in einer Einladung zu einem reichhaltigen Essen aus: "Wir waren sehr beschämt, als wir sahen, was die Leute extra für uns organisiert hatten." All dies bestärkt die Buschhüttenerin, ihr Engagement für weitere Unterstützung der Feuerwehr dort fortzusetzen. "In der nahen Zukunft möchten wir gerne die Wehrleute mit Schutzhelmen und Handschuhen ausstatten, denn selbst die ausgemusterte Schutzausrüstung ist dort eine große Hilfe." Doch dabei soll es nicht bleiben: Vater Uwe Heide bemüht sich derzeit darum, dass in Kürze ein Paket mit Helmen aus Kreuztaler Feuerwehrbestand sowie neuen Handschuhen die postalische Reise nach Tansania antreten kann. Ein großes Fernziel ist zudem, den ostafrikanischen Kameraden womöglich ein weiteres Feuerwehrfahrzeug mit ausreichend großem Löschwassertank zur Verfügung zu stellen. 
Seit ihrem Aufbruch nach Tansania im Frühling dieses Jahres hat Kathi Heide auch jenseits von Brandschutzfragen in Tansania viel bewegt: Im Rahmen des "Mavuno"-Projektes befasst sie sich mit dem Aufbau einer Trinkwasserversorgung, die die „Mavuno Girls´ Model Secondary School“ sowie die Bewohner der umliegenden Dörfer im Verwaltungsdistrikt Karagwe mit sauberem Trinkwasser versorgen wird. In den kommenden Tagen soll die Konstruktion einer insgesamt zehn Kilometer langen Trinkwasserleitung beginnen. Dem vorausgegangen ist eine arbeitsintensive Vorbereitung, welche die Vermessung, Berechnung sowie Dimensionierung des Rohrleitungsnetzes umfasste und an der Kathi Heide mit mehreren Ingenieuren beteiligt war und ist.
 
Riesiges Wachgebiet, kaum Ausrüstung
 
Wie nötig der Aufbau der feuerwehrtechnischen Infrastruktur in Tansania ist, lässt sich beim Blick auf den aktuellen Status quo in Kayanga rasch erahnen: Im Jahr 2014 wurde die Feuerwache gegründet und besteht derzeit aus sieben hauptamtlichen Kräften, die für den Brandschutz von über 600.000 Menschen zuständig sind. Das in Japan ausrangierte Tanklöschfahrzeug, das den Tansaniern zur Verfügung steht, besitzt einen 1.000 Liter fassenden Löschwassertank. Der nützt im Falle eines ausgedehnten Brandes allerdings wenig, da in der Region eine externe Löschwasserversorgung mit Hydranten oder Wasserentnahmestellen faktisch nicht existiert. Als es im März dieses Jahres auf dem Markt von Kayanga brannte, musste das Tanklöschfahrzeug nach der ersten Charge Löschwasser zehn Kilometer bis zur nächstgelegenen Wasserquelle zurücklegen, um wieder aufzutanken. Katharina Heide resümiert: "Eine erfolgreiche Brandbekämpfung war demzufolge ausgeschlossen. Der gesamte Besitz zahlreicher Menschen wurde ein Raub der Flammen." Feuerwehrtechnische Beladung fehlt auf dem Tanklöschfahrzeug gänzlich, zwei vorhandene Atemschutzgeräte können nicht betrieben werden, und an persönlicher Schutzausrüstung mangelt es sowieso. Daher ist die Effizienz der Brandbekämpfung, trotz großer Bemühungen seitens der Wehrleute, aufgrund der defizitären Ausstattung oftmals stark eingeschränkt. Die Fotos stellte Kathi Heide zur Verfügung. bjö

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