Aktuelles

PSU-Team stellt sich vor

22.01.2012

Ihr langfristiges Ziel hat sich das Siegerländer Team für  psychosoziale Unterstützung von Einsatzkräften (PSU-Team) hoch gesteckt: Die zwölf ehrenamtlichen Helfer wünschen sich, in erreichbarer Ferne in allen Einheiten der heimischen Feuerwehren und anderer Hilfsdienste mindestens  einen ausgebildeten Ansprechpartner zu haben, der einen geschulten Blick und eine hilfreiche Ader für unverarbeiteten Stress seiner Kameraden hat. "Entlastung - Entspannung - Erholung" - das sind die Hauptziele, für die sich das PSU-Team Siegerland seit dem Jahr 2004 im Kreis Siegen-Wittgenstein engagiert. Was klingt wie ein touristischer Slogan, hat für 5.300 Einsatzkräfte im Kreisgebiet einen gesundheitlich relevanten Hintergrund: Ihnen will das PSU-Team durch Prävention, Einsatzbegleitung und Einsatznachsorge dabei helfen, belastende Einsatzsituationen so zu verarbeiten, dass sie nicht krankmachen.

"Wir bringen Probleme auf den Tisch"

Kürzlich präsentierte das Team seine Arbeit und Zielsetzung in Kreuztal mit neuen Lehrunterlagen und kam mit Mitgliedern des Löschzuges Kreuztal ins Gespräch. "Wir sind keine Problemlöser, sondern bringen nur die vorhandenen Probleme auf den Tisch", erklärte Christian Heide das Prinzip der psychosozialen Unterstützung. Der in der Kredenbacher Rettungswache tätige Rettungsassistent traf in Kreuztal auf interessierte Zuhörer, als er über die Gefahren von "negativ bewertetem Stress" referierte, der möglicherweise in dramatischen Einsatzsituationen wie Verkehrsunfälle entstehen und zu einer "akuten Belastungsreaktion" führen kann. Dass Extremsituationen stets individuell anders empfunden werden, hob er hervor: "Deine persönliche Bewertung und Empfindung ist entscheidend für die Frage, wie belastend ein tragisches Ereignis für dich ist", erklärte der stellvertretende PSU-Teamleiter weiter. Geschehnisse, die nicht in das individuell vorhandene Weltbild integrierbar seien, könnten zu einer akuten Belastungsreaktion führen, an deren Ende bestenfalls wieder völlige Entspannung und Erholung stehe. So sei es denkbar, dass eine schlimme Einsatzsituation erst nach einigen Wochen komplett verarbeitet sei. Gespräche über das Erlebte seien auf diesem Weg ebenso hilfreich wie die Einsicht, dass eine solche Stressreaktion nicht etwa krankhaft, sondern normal sei. Betroffene sollten sich im Sinne der eigenen Erholung Wohltuendes gönnen. Wie existenziell wichtig eine adäquate Verarbeitung traumatischer Erlebnisse ist, machten Christian Heide und sein Teamkollege Matthias Bohn deutlich, indem sie die skizzierten, dass aus einer akuten Belastungsreaktion unbehandelt eine Belastungsstörung entstehen könne, die bis zur Arbeitsunfähigkeit weitreichende Einschränkungen der Lebensqualität zur Folge hätten. Hilfreich wirkten die Erläuterungen der beiden PSUler von eigenen belastenden Erfahrungen aus dem Einsatzgeschehen, die verdeutlichten, dass ein Reden darüber nicht etwa ein Zeichen von Schwäche bedeute.

Kameradschaftspflege wichtig

Vor diesem Hintergrund erklärt sich nicht nur in Feuerwehrkreisen die Pflege der Kameradschaft als geradezu heilsam: Zu einer guten Verarbeitung von dramatischen Einsätzen gehöre auch, "das Miteinander zu fördern und gegenseitig auf sich zu achten".

Das PSU-Team, mit Helfern von Feuerwehr und DRK und einer Diplom-Psychologin ausgestattet, hatte beispielsweise im letzten Sommer in Kreuztal akut tätig werden müssen, als ein tödlicher Betriebsunfall in Ferndorf die Anwesenheit der geschulten Gesprächspartner unter Führung von Karl-Heinz Richter sinnvoll erscheinen ließ. Neben diesem kreisweiten Angebot haben einige Kommunen in Sachen Seelsorge für Einsatzkräfte zusätzlich "vorgesorgt": In der Stadtfeuerwehr Kreuztal beispielsweise ergänzt der Ferndorfer Gemeindepastor Peter Renschler als feuerwehreigener "Fachberater Seelsorge" das für Einsatzkräfte stets kostenlose Gesprächsangebot - natürlich mit der Garantie absoluter Verschwiegenheit.     bjö

Übersicht aller aktuellen Nachrichten